Die Bestäubung fast aller Orchideen erfolgt durch Insekten

By | Mai 23, 2017

Bei der Unterfamilie der Cypripedioideae, den Frauenschuh-Arten, ist eine weitere Variation des Grundrisses feststellbar. Sie haben sich wahrscheinlich im Zuge der Entwicklung der gesamten Familie schon früh von den übrigen Arten abgetrennt. Die beiden seitlichen Sepalen sind hier zu einem einzigen Blatt verwachsen, das mittlere ist meist breit bzw. rund und bestimmend für den Eindruck durch lebhafte Färbung oder Zeichnung und wird als Fahne bezeichnet. Gegenüber anderen Orchideen ist das dort fruchtbare Staubblatt hier zu einem schildförmigen sterilen Gebilde geworden, es sitzt mehr oder weniger verdeckt am Ansatz des schuhförmigen Labeilums. Zwei Staubblätter des inneren Kreises sind hier pollen-tragend; sie befinden sich beiderseits der kurzen Säule. Aus der typischen Form des Labellums entstand die deutsche Bezeichnung Frauenschuh.

Die bei manchen Orchideenblüten stark ausgebildete Säule ist von unterschiedlicher Gestalt. Sie kann kurz und dick sein, aber auch lang und schön gebogen, manchmal auch farblich abweichend von den anderen Blütenteilen.

Die Bestäubung fast aller Orchideen erfolgt durch Insekten. Nur bei einigen Dendrobium- und Epipactis-Arten wird als Ausnahme Selbstbestäubung beobachtet. Als eine der vielen von normalen Bedingungen abweichenden Eigenschaften der gesamten Familie ist die Bildung einer ungewöhnlich großen Anzahl von Samenanlagen in den je nach Gattung unterständigen oder halbunterständigen Fruchtknoten feststellbar. Zur Befruchtung der Samenanlage ist eine entsprechende Anzahl von Pollenkörnern erforderlich, die auf die Narbe gelangen müssen. Dieser Vorgang wird durch die Pollenkörner gesichert, die nicht – wie üblich – staubfein und leicht beweglich, sondern zu wachsartigen Körperchen vereint sind, den sogenannten Pollinien. Durch ein dehnbares Bändchen (Stipes) hängen sie mit einer Klebscheibe zusammen. Bei einer Berührung durch anfliegende Insekten heftet sich diese Klebscheibe dem Kopf oder Rücken des Tieres an, damit werden die Pollinien aus dem Staubbeutel ausgelöst und weitertransportiert. Durch den teilweise komplizierten Blütenbau wird das Insekt auf der Suche nach Nektar auf der nächstbesuchten Blüte so gelenkt, daß die Pollinien genau auf die Narbenhöhle auftreffen und durch eine klebrige Substanz sofort festgehalten werden. Damit ist die Bestäubung erfolgt und der Vorgang kann sich mit jeder beflogenen Blüte wiederholen.Voraussetzung ist jedoch, daß das Insekt dem Blütenbau angepaßt ist, da bei abweichenden Proportionen der Effekt nicht ausgelöst werden kann. Der Bestäubung von Orchideen sind sehr umfangreiche Studien gewidmet worden; schon Darwin befaßte sich eingehend damit.

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