DIE ERNÄHRUNG

By | Juni 20, 2017

DIE ERNÄHRUNG

Soll man Orchideen düngen oder nicht? Dies ist eine der häufig gestellten Fragen über Pflegemaßnahmen. Bis in die neuere Zeit wurde von erfolgreichen Orchideenpflegern eine Düngung abgelehnt oder abgestritten. Die Wandlung in der Wahl der Pflanzstoffe bedingt in zunehmendem Maße eine zusätzliche Ernährung, um den Bedarf der Pflanzen zu decken. Vorweg sei gesagt, daß bei Verwendung bestimmter Pflanzstoffe und einwandfreien Regenwassers eine Düngung nicht erforderlich ist. Dieser Weg muß dem Anfänger als der absolut sichere empfohlen werden. Mit einer Düngung kann er u. U. mehr verderben als nützen, da aus wohlgemeinter Absicht oft des Guten zuviel getan wird.

Den Grundlagen der Ernährung von Orchideen sei eine kurze Übersicht über die Verhältnisse am heimatlichen Standort vorangestellt. Sie bezieht sich im wesentlichen auf die epi-phytische Lebensweise als einem von der üblichen Form der Wasser- und Nährstoffaufnahme abweichendem Faktor. Die bei bodenbewohnenden Pflanzen ständig vorhandene Möglichkeit, ihren Nahrungsbedarf aus dem Erdboden zu decken, entfällt bei den Epiphyten. Ihnen steht bestenfalls die durch den gesamten Epiphytenwuchs wie in einem Schwamm festgehaltene Feuchtigkeit zur Verfügung. Nährstoffe finden sich in dem Humus aus verwesenden Pflanzenteilen, Exkrementen von Tieren und anderen Stoffen. Hinzu kommen Stoffe, die der Regen von höher gelegenen Ästen, von Stämmen und den Blättern der Baumkronen herunterspült. Auch die Auswaschungen aus der Atmosphäre dienen der Ernährung. Die durch tropische Stürme aufgewirbelten und in höheren Luftschichten eingelagerten Staubmassen führen Mineralstoffe mit sich, die durch den Regen wieder zur Erde zurückkommen. Insgesamt ist dies ein schwacher, aber beständig fließender Nährstoffstrom – soweit Niederschläge fallen. In der Trockenperiode mit starkem Nachttau als meist einziger Niederschlag in längeren Zeiträumen stockt die Nährstoffzufuhr aus der Atmosphäre; die Pflanzen ruhen. Alle Epiphyten sind äußerst genügsam und wachsen langsam.

Es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Nährstoffversorgung und Wachstumsgeschwindigkeit. Berücksichtigt man ferner, daß die meisten epiphytisch wachsenden Orchideen gezwungen sind, zur Überwindung der Trockenzeit substanzreiche Speicherorgane – wie Pseudobulben und Blätter – auszubilden, so ergibt sich zwangsläufig eine über viele Jahre ausgedehnte Entwicklungszeit bis zur ersten Blüte. Der innere Rhythmus einer Pflanze läßt sich nur bedingt verändern. Es ist also keinesfalls möglich, die Entwicklung durch erhöhte Nährstoffzufuhr wesentlich zu beschleunigen. Die Grundtendenz eines auf Jahre verteilten Wachstums bis zur ersten Blüte bleibt auf jeden Fall bestehen. Stärker beeinflußbar ist zweifellos die Substanzzunahme der Pflanzen und ihre Blütenproduktion. Gegenüber anderen Gewächsen sind jedoch die Möglichkeiten der Nährstoffaufnahme weit geringer.

All diese Verhältnisse müssen bei der Pflege berücksichtigt und den örtlichen Gegebenheiten angepaßt werden.

Zunächst sind drei Grundregeln zu beachten:

Nur gesunde, gut bewurzelte Pflanzen dürfen gedüngt werden.

Geringere Nährstoffgaben in häufigerer Wiederholung sind vorteilhafter als zu hohe Konzentrationen nach längeren Pausen.

Nur in der Vegetationsperiode darf gedüngt werden, nie in der Ruhezeit.

1 Cattleya aclandiae; 2 Laelia anceps; 3 Cattleya forbesii; 4 C. violacea; 5 C. warscewiczii var. van Houtte x C. warneri Ardenholms Varietät; 6 Laeliocattleya Odessa

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