Die Feuchtigkeit – Teil 2

By | Juni 16, 2017

Das richtige Gießen ist eines der Hauptprobleme der Orchideenpflege. Es erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit bei der Unterbringung der Pflanzen sowohl im Zimmer wie im Pflanzenfenster oder Gewächshaus, nur sind die Grundbsdingungen überall anders. Allgemein ist zu sagen, daß die richtige Luftfeuchtigkeit regulierend auf den Wasserhaushalt der Pflanze einwirkt. Geringe Luftfeuchtigkeit erfordert stärkere Feuchtigkeit des Pflanzstoffes, also häufigeres Gießen. Weitaus günstiger für das Gedeihen ist jedoch geringere Ballenfeuchtigkeit – also weniger gießen, aber häufiger spritzen, möglichst in feinster Verteilung. So wird verhindert, daß die Wurzeln durch zu feuchten Pflanzstoff Schaden nehmen oder durch zu starke Trockenheit schwache Triebe bilden. Der Sauerstoffbedarf der Wurzel epiphytisch wachsender Orchideen verbietet eine anhaltend hohe Feuchtigkeit des Pflanzstoffes, auch in der Vegetationsperiode. Er soll nie extrem naß, sondern nur feucht sein. Gelegentliches stärkeres Austrocknen von kurzer Zeitdauer ist förderlich; der Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit kommt den Bedingungen am heimatlichen Standort nahe. Man sollte 1-2 mal wöchentlich die Pflanzen genauer auf die richtige Feuchtigkeit prüfen, die trokkenen gießen oder tauchen, im übrigen aber nie täglich gießen. Terrestrisch wachsende Orchideen brauchen höhere Feuchtigkeit als Epiphyten. Allgemein kommen hier fast nur Paphiopedilum in Betracht. In der Vegetationsperiode erhalten sie reichlich Wasser – sowohl durch häufigeres Gießen als auch durch wiederholtes Übersprühen, besonders im Verlauf heißer Tage. Eine Ruhezeit entfällt, lediglich wird gemäß ihren unterschiedlichen Temperaturansprü-chen die Feuchtigkeit etwas gemindert, besonders bei den kühler zu haltenden Arten und Hybriden. Sehr wärmebedürftige – wie z.B. Paphiopedilum maudiae – verbleiben ständig bei Temperaturen von +20 bis +25°C und gleichmäßiger Feuchtigkeit. Paphiopedilum lieben in hohem Maße eine von unten aufsteigende Feuchtigkeit. Sie sollen nie auf trockenen Flächen stehen; durch Auflage von feucht zu haltendem Torf oder Sphagnum schafft man Verdunstungsmöglichkeiten, eventuell auch durch Aufgießen von Wasser. Sind in einer Sammlung nur wenige Paphiopedilum vorhanden, für die eine Sonderbehandlung nicht möglich ist, genügt es auch schon, die Töpfe in eine größere Schale mit Moos oder Torf einzubetten. Diese Maßnahme verhindert ein zu rasches Austrocknen kleiner Töpfe und kann ebenso bei anderen Orchideen mit Erfolg angewendet werden.

In der Ruhezeit wird man u.U. die Zeiträume zwischen der genauen Durchsicht vergrößern können, nur sollte der Pflanzstoff nie zu stark austrocknen. Da dies an der Oberfläche am meisten der Fall ist, kann es zu unzutreffenden Rückschlüssen auf die gesamte Beschaffenheit führen. Wenn die Oberfläche des Ballens trocken erscheint, kann das Innere trotzdem feucht oder sogar reichlich feucht sein. Zur Beurteilung des richtigen Feuchtigkeitsgrades gehört etwas Erfahrung, die sich bei laufender Beobachtung der Pflanzen bald einstellt. Anfänger neigen meist dazu, in gutgemeinter Absicht zuviel zu gießen. Allgemein sollte man sich vergegenwärtigen, daß bei der Orchideenpflege zu große Feuchtigkeit mehr verderben kann als zuwenig Wasser.

Die Beschaffenheit des Gieß- und Spritzwassers ist von besonderer Bedeutung für den Erfolg. Leitungswasser, an dessen Verwendung aus naheliegenden Gründen zuerst gedacht wird, eignet sich meist nicht für die Pflanzenpflege, da es u.U. chemisch behandelt ist. Wichtig ist also, seine chemische Reaktion zu wissen. Wir unterscheiden zwei meßbare Werte, und zwar die Wasserstoffionenkonzentration – ausgedrückt als pH-Wert – und die Härte des Wassers. Reines Wasser hat einen pH-Wert von 7; es ist in diesem Zustand in der Natur kaum vorhanden, sondern je nach den in ihm gelösten Stoffen sauer, d.h. unter dem Wert von pH 7 oder alkalisch = über pH 7.

Das für die Orchideenpflege benützte Wasser soll etwa um pH 5 liegen, also im leicht sauren Bereich.

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