Die Früchte – Samen der Orchideen

By | Mai 23, 2017

Die Früchte der Orchideen sind in ihrem Bau innerhalb der großen Zahl der Arten im Prinzip gleich, unterscheiden sich wesentlich nur durch die Größe.

Ihre Gestalt ist eine dreifächerige rundliche oder längliche Kapsel, ihre Kanten entsprechen den Verwachsungsnähten der drei Fruchtblätter oder ihrer Mittelrippen. Mit der beginnenden Reife nehmen die Früchte eine zunächst gelbliche, später bräunliche Färbung an. Sie öffnen sich durch drei oder sechs Längsspalten, wodurch ebensoviele Klappen entstehen, die aber anfänglich durch Fasern miteinander verbunden bleiben und die Samen nur langsam -auf Tage verteilt – entlassen. Im Innern der Kapsel befinden sich Schleuderhaare; sie sind hygroskopisch, reagieren also auf den Wechsel der Luftfeuchtigkeit. Sie dienen zur Streuung der Samen und damit zu ihrer weitergehenden Verbreitung.

Die Samen der Orchideen sind die kleinsten des Pflanzenreiches. Sie werden in sehr großer Zahl produziert, was einige Beispiele beweisen. Festgestellt wurden bei der einheimischen Epipactis maculata 6200, bei Cymbidium etwa 1500000, Maxillaria 1700000; der Inhalt einer Cattleya-Frucht wird auf 3-5 Millionen geschätzt. Da eine Pflanze mehrere Früchte tragen kann, kommen gegenüber anderen Gewächsen unwahrscheinlich große Mengen von Samen zustande. Ihr Einzelgewicht beträgt nur einige millionstel Gramm und variiert mit ihrer Größe, die innerhalb der Arten verschieden ist. Allen ist jedoch das Fehlen jeglichen Nährgewebes eigentümlich, welches die Samen anderer Pflanzen in mehr oder weniger großem Umfang besitzen. Der Embryo wird lediglich von einer netzartigen Samenhülle, der Testa, lose umgeben. Ihr kommen bestimmte Aufgaben zu, so z.B. die Steuerung des Fluges nach Verlassen der Kapsel, möglicherweise auch eine Regulierung der Keimung auf den Zeitpunkt günstigster Bedingungen für den Keimprozeß. Die Keimfähigkeit ist gegenüber den Samen anderer Pflanzen relativ eng begrenzt; sie erlischt etwa sechs Monate nach der Reife der Früchte. Die Form und das Gewicht der Samen sind auf die vorwiegend epi-phytische Lebensweise der Orchideen ausgerichtet. Die horizontal gelagerten, wenig bewegten Luftschichten im tropischen Regenwald mit hoher Feuchte ermöglichen einen langsamen Schwebeflug der Samen. Er bietet die Gewähr, daß mindestens ein Teil geeignete Plätze auf Stämmen oder Ästen von Bäumen oder auf moosbewachsenen Felsen zur Keimung findet.

Da die Samen kein Nährgewebe haben, können sie nicht allein keimen. Deshalb besteht eine Lebensgemeinschaft oder Symbiose mit mikroskopisch kleinen Wurzelpilzen. Ihr Myzel durchzieht den Boden und ist überall dort vorhanden, wo Orchideen wachsen. Die Samen besitzen Zellen, in denen mehr Eiweiß als bei denen anderer vorhanden ist. Durch diese „Einlaßzellen“ wachsen die Pilzhyphen in das Innere des durch Wasseraufnahme gequollenen Samenkornes. Sie vermitteln die Aufnahme organischer Stoffe, die durch die Gesamtheit des Pilzgeflechtes von außen herbeigeführt werden und dienen damit zur ersten Ernährung des Keimlings. Das Pilzmyzel verbleibt auch mit zunehmender Entwicklung in der Pflanze, und zwar stets in der Rinde funktionsfähiger Wurzelspitzen, wo es sich zu Klumpen zusammenballt und verdaut wird. Stets finden jedoch Hyphen den Weg nach außen, wo sich dann Vermehrungsorgane bilden, die den ewigen Kreislauf des Vorganges beginnen oder vollenden. Die Symbiose der Orchideen mit den Wurzelpilzen wurde von dem französischen Botaniker Noel Bemard zu Beginn unseres Jahrhunderts entdeckt, und seine Erkenntnisse veröffentlichte er erstmalig im Jahre 1904.

Die Keimung erfolgt innerhalb der Gattungen differenziert in einem Zeitraum von 5-20 Tagen. Die meist walzenförmigen Embryonen verändern sich im Verlauf von 2-4 Wochen zu kreiselförmigen Gebilden. Nachdem bereits Grünfärbung die einsetzende Chlorophyllbildung anzeigt, entstehen die Rhizoiden in Form zarter Fäden ähnlich den Wurzelhaaren. Einige Wochen später entwickeln sich die ersten Blattanlagen, danach die Wurzeln. Das Wachstum der jungen Pflanzen setzt sich nun in Zeiträumen von mehreren Jahren unbeirrbar langsam fort. Ermittlungen genauester Art im tropischen Klima über die Dauer der Entwicklung bis zur ersten Blüte liegen noch nicht vor. Die Entwicklungszeit erstreckt sich über einen Zeitraum von Jahren, innerhalb der Gattungen in weiten Grenzen unterschiedlich.

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