Die Kellerkultur

By | Juni 14, 2017

Die Kellerkultur

Überall dort, wo der Winter ausgesprochen kalt sein kann, also die Temperaturen längere Zeit unter dem Gefrierpunkt liegen, bestehen Schwierigkeiten für die Unterbringung. Um auch umfangreichere Sammlungen sicher, relativ billig und ohne große Wartungsarbeit für die Heizung über die ungünstige Jahreszeit hinwegzubringen, ist man in den USA zu der kombinierten Kellerkultur übergegangen. In der warmen Jahreszeit werden die Pflanzen im Freien unter großen Bäumen gepflegt. Wenn im Frühherbst die Nachttemperaturen unter + 10°C sinken, kommen die Pflanzen in einen dafür vorbereiteten Kellerraum unter Kunstlicht. Bedingung sind jedoch die Verhältnisse der Keller moderner Landhäuser, also relativ trocken, luftig und durch den Rücklauf der Warmwasserheizung leicht temperiert. Kalte, feuchte und zugige Keller alter Häuser eignen sich nicht.

Die nachstehenden Angaben sind einem Bericht über erfolgreiche Unterbringung im Keller entnommen. Der Raum wurde völlig mit weißer Kautschukfarbe gestrichen. Die Pflanzen sind auf etwa 1,10 m hohen Tischen aufgestellt, 70 cm über ihnen sind die Leuchtstofflampen installiert. Die Blätter reichen 7 bis 15 cm an die Lichtquellen heran und erhalten eine Beleuchtungsstärke von 13000 bis 18000 Lux. Dies ist nur möglich durch Lampenaggregate mit Reflektoren, die stets sehr sauber zu halten sind. Die Luftbefeuchtung geschieht durch Verdunstung von Wasser aus kiesgefüllten flachen Becken; ferner durch einen elektrischen Luftbefeuchter, der mit einem kleinen Ventilator gekoppelt ist, womit gleichzeitig die erforderliche Luftbewegung erzielt wird. Durch ein Fenster wird Frischluft zugeführt, und zwar nachts, um das erforderliche Absinken der Temperatur um etw 7° zu gewährleisten. Dies wird als wichtige Voraussetzung für gute Erfolge bezeichnet. Die Pflanzen werden einmal täglich überspritzt und nach Bedarf gegossen. 6 Uhr morgens schalten sich Licht, Ventilator und Luftbefeuchter ein. Nach 13 1/2 Stunden schaltet sich das Licht aus, der Ventilator läuft weiter, das Fenster wird je nach Außentemperatur mehr oder weniger geöffnet. Der Rücklauf der Warmwasserheizung ist neben der geringen Wärmewirkung der Leuchtstoffröhren die einzige Heizquelle. Im Dezember wird die Belichtung auf 12 Stunden reduziert und bis Mai allmählich wieder auf 13 1/2 Stunden erhöht. Dann erfolgt die Überleitung ins Freie.

Im mitteleuropäischen Klima ist eine generelle Behandlung ohne Glasschutz nur für wenige harte Arten möglich. Die Überleitung müßte also in ein Kleingewächshaus erfolgen, jedoch mit Vorsicht, da eine plötzliche starke Tageslicht- oder Sonneneinwirkung zu Verbrennungen führen kann.

Nach dem vorliegenden Bericht ist der Gesundheitszustand der Pflanzen ausgezeichnet; sie blühen reich, die Blüten sind – wahrscheinlich infolge der starken Lichteinwirkung – gut ausgebildet, fest und haltbar.

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