Die Meristemkultur

By | August 17, 2017

In neuester Zeit hat eine vegetative Vermehrungsmethode besondere Bedeutung gewonnen. Sie ist technisch äußerst kompliziert und allgemein für den Orchideenfreund nicht anwendbar, da sie hauptsächlich Laboratoriumsarbeit erfordert. In mancherlei Hinsicht ist diese Vermehrungsmethode in ihren Auswirkungen jedoch von besonderem  Interesse. Infolgedessen ist es angebracht, mindestens die Grundlagen und die Technik dieser Methode zu erörtern.

Im Verlauf der Züchtungsarbeit an Orchideen steigerten sich die Erfolge in zunehmendem Maße. Die Verschiedenartigkeit der Nachkommen aus einer Kreuzung wurde immer größer, je komplizierter sie war. Die jeweilig besten Pflanzen, welche dem Zuchtziel nahekamen oder es erfüllten, wurden fixiert. Meist waren es sehr wenige Exemplare aus der Masse der vielen, welche einer Samenkapsel entstammten. Sie standen stets hoch im Kurs und stellten Klone dar, die nun fortlaufend durch Teilung vermehrt und infolge der Unergiebigkeit vegetativer Vermehrung bei den meisten Orchideen weiterhin hoch bewertet wurden. Selbst die Wiederholung einer erfolgreichen Kreuzung erbringt nicht mit absoluter Sicherheit gleiche Ergebnisse, weil häufig Varietäten einer Art mit erhöhter Chromosomenzahl verwendet werden. Die u.U. sehr große Verschiedenartigkeit der Nachkommen ist bedingt durch die sehr große Zahl der Erbanlagen, welche die Arten und noch mehr die komplizierten Hybriden aufweisen. Die aus ihnen entstehenden Kombinationen bei neuerlicher Hybridisation ergeben eine Vielseitigkeit der Erscheinungsformen, die verwirrend sein kann, genetisch aber sicher begründet ist. Der Versuch, hochwertige Züchtungsergebnisse durch Samen echt weiter zu vermehren, muß erfolglos bleiben. Die in ihnen ruhenden Erbeigenschaften bedingen bei der Vereinigung mit einer anderen Art oder Hybride gänzlich verschiedene Nachkommen. Einige von ihnen werden über dem Durchschnitt liegen, die große Mehrzahl wird u. U. unbefriedigend sein; vielleicht in ihrem Wert nicht den Aufwendungen der langen Entwicklungszeit entsprechen. Kommerziell kann dies von großer Bedeutung sein, beispielsweise dann, wenn als gestecktes Zuchtziel neben anderen Eigenschaften ein bestimmter Blühtermin ausschlaggebend ist. Liegt dieser bei den Nachkommen in weiten Grenzen, so kann damit die Absatzmöglichkeit stark gemindert sein. Ähnliche Erwägungen können in bezug auf Blütenfarbe, Größe und Form der Blüten oder andere Eigenschaften maßgeblich bestimmend für den Wunsch sein, völlige erbgleiche Nachkommen zu erzielen. Dies ist durch die Meristemkultur in theoretisch unbegrenzter Zahl möglich. Einschränkend ist allerdings festzustellen, daß die Methode zunächst nur bei Cattleya, Cymbidium, Calanthe, Dendrobium, Miltonia, Odontoglossum, Odontonia, Oncidium, Vuylstekeara und Zygopetalon anwendbar ist. Bei Paphiopedilum und allen monopodial wachsenden Orchideen, wie Vanda, Renanthera, Phalaenopsis, u. a. ist das Verfahren nicht durchführbar oder noch nicht ermittelt. Inzwischen wurde für die durch Meristemvermehrung erzielten Jungpflanzen die Bezeichnung „Mericlones“ geprägt und hat sich international eingeführt.

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