Die Umwelt – Teil 2

By | Mai 26, 2017

Die Großvegetation beider Zonen – der immerfeuchten und der periodisch feuchten – wirkt ebenfalls auf die Orchideen ein. Die Bäume und Sträucher periodisch feuchter Gebiete sind z.T. dem Laubfall unterworfen. Dies bedeutet für die epiphytisch wachsenden Orchideen erhöhte Lichteinwirkung, denn die Trockenzeit bringt keinesfalls – wie etwa unser Winter -eine Verkürzung und Minderung des Lichteinfalls. Den Übergang zu subtropischem Klima ersehen wir aus der Verlängerung der Ruhezeit, der Härte des Wuchses, geminderter Allgemeinempfindlichkeit, oft auch besonders hohen Lichtansprüchen und anderen Erscheinungen. Mit ihnen wird eine sehr weitgehende Anpassung an das Klima erreicht. Dazu gehört auch, daß die Pflanzen, wenn sie im Ruhezustand sind, vorübergehend niedrige Temperaturen bis etwa minus 5° vertragen, ohne daß Schäden entstehen.

Die Umweltbedingungen äußern sich also im Habitus der Pflanze, und wir müssen lernen, daraus ihre Ansprüche abzulesen. Neben dem Klima spielt auch die Höhenlage als Umweltfaktor eine wichtige Rolle. Mit steigender Höhenlage sinkt die Temperatur, und so ist nicht nur wichtig zu wissen, auf welcher geographischen Breite ein Orchideenstandort liegt, sondern auch in welcher Höhe.

Die Bodenbeschaffenheit als weiterer wichtiger Faktor spielt hier nur für terrestrisch wachsende Orchideen eine maßgebliche Rolle. Indirekt ist die Bodenbeschaffenheit jedoch von gewisser Bedeutung für die Gestaltung der Großvegetation, auf deren mehr oder minder großes Vorhandensein die Epiphyten angewiesen sind.

Hinweise auf die Lichtansprüche geben die Vegetationsorgane, also die Pseudobulben und Blätter. Es bestehen viele Übergänge; folgende Anhaltspunkte sind wesentlich:

Bodenbewohner: keine Bulbenbildung, Blätter relativ weich. Ansprüche: keine direkte Sonneneinwirkung, viel Schatten und Feuchtigkeit, keine Ruhezeit. Beispiel: Paphiopedilum.

Epiphyten:

a) Blätter großflächig, fleischig, keine Bulbenbildung. Ansprüche: keine direkte Sonneneinwirkung, viel Schatten, keine Ruhezeit. Beispiel: Phalaenopsis.

b) Blätter großflächig, dünn, Bulben stark ausgeprägt,Blätter werden mit Beendigung der Vegetationszeit abgeworfen. Ansprüche: Halbschatten, viel Feuchtigkeit, Ruhezeit stark ausgeprägt, völliger Wasserentzug. Beispiel: Calanthe der laubabwerfenden Sektion, Catasetum.

c) Blätter mehr oder weniger großflächig derb, Bulben mehr oder weniger ausgeprägt, länglich, rundlich. Ansprüche: Halbschatten, mit beginnendem Ausreifen der Bulben viel Licht, in Vegetation reichlich Feuchtigkeit, Ruhezeit kürzer oder länger, mäßig feucht, Schrumpfen der Bulben vermeiden. Beispiel: Catt-leya, Laelia, Stanhopea, Lycaste, Odontoglossum, Oncidium, Cymbidium und viele andere.

d) Blätter schmal, derb-lederig, keine Bulben. Ansprüche: viel Licht, in Vegetation viel Feuchtigkeit, Ruhezeit ausgeprägt. Beispiel: Vanda coerulea, V. tricolor und andere, Angraecum, Aerangis, Aeridis, Oncidium splendidum und andere.

e) Blätter fast stielrund, rinnig gefurcht, keine Bulben. Ansprüche: stärkstes Licht, bei Gewöhnung schattenlos, in Vegetationsperiode viel Wasser, Ruhezeit ausgeprägt. Beispiel: Vanda teres, Renanthera und andere.

Mit diesen Beispielen wurde gezeigt, wie der Faktor Licht die Pflanze sichtbar beeinflußt. Leider sind aus ihrem Äußeren die Ansprüche an Temperatur und Feuchtigkeit nicht so leicht oder überhaupt nicht ersichtlich. Sie lassen sich nur aus dem Klimarhythmus des heimatlichen Standortes ableiten.

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