Die Verbreitung – Teil 2

By | Mai 25, 2017

Die Verbreitungsareale der einzelnen Arten sind räumlich mehr oder weniger begrenzt. Diese mit Endemismus bezeichnete Erscheinung trifft auf alle Pflanzenfamilien zu. Bei den Orchideen fällt dabei auf, daß die erdbewohnenden Arten der gemäßigten und kalten Zone ein sehr viel größeres Verbreitungsgebiet haben als die tropischen Arten. Unsere schönste einheimische Orchidee, Cypripedium calceolus, ist von Europa bis Sibirien verbreitet. Eine andere Art, Cypripedium guttatum, findet man vom europäischen Teil der Sowjetunion durch Nordasien bis Alaska und Britisch-Kolumbien; das Vorkommen umfaßt also drei Kontinente. Solch weite Verbreitung erreichen tropische Gattungen nicht, allenfalls greifen noch Arten auf verschiedene Kontinente über. Eine Ausnahme macht die Gattung Bulbophyllum mit Vorkommen in Afrika, Amerika, Asien und Australien, insgesamt in mehr als eintausend Arten bekannt. Im allgemeinen ist die Verbreitung der Gattungen auf die einzelnen Erdteile beschränkt. Manche Arten besiedeln große Gebiete, andere nur räumlich begrenzte Landschaften, einzelne Gebirgszüge oder Täler. Die Gegenüberstellung einiger der bekanntesten Orchideengattungen in kontinentalem Maßstab ergibt folgendes Bild: Südostasien beherbergt Coelogyne, Dendrobium (z.T. auch in Australien), Paphiopedilum, Phalaenopsis und Vanda. Ihnen stehen in Süd- und Mittelamerika gegenüber: Cattleya, Laelia, Lycaste, Odontoglossum und Oncidium. Eigentümlicherweise sind Afrika und Australien relativ arm an ansehnlichen Orchideen. Innerhalb der Arten gibt es wohl interessante Erscheinungen; sie sind aber von bescheidener Blütengröße und insgesamt kaum wirkungsvoll. Manche stellen jedoch durch ihre Kleinheit besonders begehrte Objekte für den Sammler dar. Von Madagaskar kommen zwei besondere, jedoch ziemlich groß werdende Schönheiten: Angraecum sesquipedale und A. eburneum. In neuester Zeit wurden weitere sehr bemerkenswerte Orchideen auf dieser Insel entdeckt. Australien zeigt mit einigen Dendrobium-, Cymbidium-, Calanthe- und Phajus-Arten in der gemäßigten Zone auffallendere Erscheinungen.

Das Studium des heimatlichen Vorkommens ist der Schlüssel zur erfolgreichen Pflege. Dazu gehört ebenso das Wissen um die sehr verschiedenartig gestalteten Umweltbedingungen. Sie setzen sich aus geographischer Lage, Klima, Höhenlage und Umfang der Gesamtvegetation zusammen. In dieser Hinsicht sind unsere Kenntnisse z.T. noch sehr mangelhaft, da diese Bedingungen innerhalb eines Landes recht verschieden sein können, besonders dann, wenn es – wie beispielsweise Brasilien – sehr groß ist. Eine Heimatangabe „Brasilien“ in der Literatur sagt gar nichts. Erst aus detaillierten Angaben verschiedenster Art ist es möglich, zu einem einigermaßen genauen Bild zu kommen. Mit nachfolgenden Ausführungen soll versucht werden, einige Anhaltspunkte zu geben.

1 Oncidium Anne Warne x Rodriguezia decora; 2 Odontoglossum rossii; 3 Phalaenopsis schilleriana

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