Orchideenblüten sind außerordentlich mannigfaltig in Form- und Farbgebung

By | Mai 22, 2017

Orchideenblüten sind außerordentlich mannigfaltig in Form- und Farbgebung. Sie sollen die Erhaltung der Art unter allen Umständen sichern. Die Meinung, daß mit geringerem Aufwand ein gleicher Effekt ebenso oder mit größerer Sicherheit zu erzielen ist, mag durchaus berechtigt sein. Wir dürfen jedoch nicht das Überdimensionale tropischen Wachstums vergessen und damit das Ringen jeder Pflanze um ihre Existenz.

Müßig, darüber zu streiten, welcher der beiden augenfälligsten Eigenschaften -Form oder Farbe – der Vorzug zu geben ist. Darüber mag jeder selbst entscheiden. Die Form der Blüten ist bei Orchideen das Unkonventionelle, Unberechenbare. Nehmen wir Blüten von Phalaenopsis an, sie können in ihrer Form vollendet schön sein, edel und vollkommen. Sie gleichen darin anderen, üblicheren Blüten, denen wir solche Prädikate aus Überlieferung oder zeitlosem Maßstab allgemein zusprechen. Völlig anders ist es bei einer unübersehbaren Zahl von Orchideenarten, deren Blütenformen gänzlich abweichen vom Üblichen, uns Geläufigen. Die Übergänge vom ästhetisch Schönen zum uns fast abwegig Erscheinenden sind im Pflanzenreich innerhalb einer Familie einmalig. Eine ganze Begriffsskala ist erforderlich und unser Sprachschatz dürfte kaum ausreichen, die Eigenschaften treffend zu charakterisieren. Ein Beispiel nannte ich bereits: Phalaenopsis, schön, edel, ätherisch leicht. Cattleya wirken anmutig, heiter, beschwingt. Paphiopedilum sprechen uns dagegen mit vornehmer Reserviertheit an, kühl und gelassen stehen sie auf ihren Stielen. Gleiches gilt für Cymbidium, nur mischt sich hier Heiteres herein durch die Vielzahl der Blüten an einem Stiel. Wie ganz anders ist es mit den fast tierhaften Erscheinungsformen der Blüten von Stanhopea, Catasetum, Coryanthes und anderen. Sahen Sie schon einmal die Blüten von Catasetum gnomus? Wie verschüchterte Vögelchen hocken sie auf dem tragenden Blütenschaft, ohne Beispiel in ihrer Eigenart. Auch religiöse Gefühle werden angesprochen. Nur ein Beispiel: Peristera alata, die Blume des „Heiligen Geistes“. Ein über 1 m hoher Blütenstand entwickelt eine Vielzahl milchweißer, duftender Blüten. Jede von ihnen trägt in ihrer Mitte, symbolisch für ihren Namen, eine winzige Taube, gebildet aus der dreiteiligen Lippe und der geschnäbel-ten Säule. In der reizvollen Schönheit der Pflanze liegt ihr tragisches Geschick begründet. Sie ist fast ausgerottet durch die Habgier der Menschen. Eingeborene brachten sie in ihrer Heimat tausendweise auf den Markt, um sie den Fremden zum Kauf anzubieten.

In manchen Dörfern und Ortschaften süd- und mittelamerikanischer Länder pflanzen die Bewohner seltene Albino-Formen von Cattleya, Lycaste und anderen Orchideen auf den Dächern der Kirchen an. Dort sind sie vor den Zugriffen profitgieriger Menschen einigermaßen sicher.

Wenn ich – wie jetzt – die Erscheinungsformen mir bekannter Orchideenblüten im Geiste Revue passieren lasse oder in Werken der klassischen oder modernen Orchideenliteratur blättere, so erscheint es mir unmöglich, aller Schönheit in Worten gerecht zu werden. Bilder vermögen es schon eher, in vollem Umfang genießt man die Schönheit jedoch allein durch das eigene Schauen und Erleben der Blüten in dem Wissen um ihr Werden und Vergehen.

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