PFLEGEMASSNAHMEN Der Entwicklungsrhythmus – Teil 1

By | Juni 14, 2017

Orchideen sind in weit größerem Umfang als andere Pflanzen an einen z.T. streng geregelten Rhythmus ihres Lebens gebunden. Der beständige Wechsel der Vegetations- und Ruheperiode, entstanden aus den klimatischen Verhältnissen des heimatlichen Standortes, beherrscht das Leben der Pflanzen. Er muß als wichtigster Bestandteil der Pflege gelten. Die erforderlichen Maßnahmen sind stetiger Anlaß zu Unsicherheit und Zweifel; sie sollen deshalb hier ausführlichst besprochen werden. Der Rhythmus pflanzlichen Lebens wird im wesentlichen vom Licht gesteuert. Die Temperatur als Auswirkung des Lichtes ist mitbestimmend, jedoch zweitrangig. Undenkbar ist jegliches Leben ohne Wasser – die Feuchtigkeit als eine atmosphärische Erscheinung ist stärkstem Wechsel unterworfen. Diese drei genannten Faktoren sind Hauptbestandteil des Klimas, welches die Pflanze aus ihren Erbanlagen heraus formt und gestaltet.

Aus dem periodischen Wechsel des Klimas, der je nach geographischer Breite und Höhenlage in weiten Grenzen verschiedenartig ist, entstehen im Verlauf eines Jahres zwei gegensätzliche Abschnitte, die Vegetations- und die Ruheperiode. Der Orchideenpfleger, gleich ob aus Neigung oder Beruf, muß sich mit ihren Grundbegriffen vertraut machen, wenn er zum Erfolg kommen will.

Die Vegetationsperiode oder Wachstumszeit beginnt Ausgangs des Winters oder Anfang des Frühjahrs. Zunächst bilden sich neue Wurzeln, oft schon etwa Mitte Januar, aber nicht immer. Bei manchen Pflanzen geschieht die Wurzelbildung erst sehr viel später. Mit zunehmender Intensivierung des Lichtes – also mit steigender Sonne – beginnt der Neutrieb. Die Entwicklung erreicht ihren Höhepunkt in den Sommermonaten; mit abnehmender Tageslänge reifen die Jahrestriebe aus. In der gesamten Entwicklungszeit sind die Temperaturen auf den Jahresdurchschnitt bezogen relativ hoch, ebenso die Feuchtigkeit des Bodens und der Luft. Entsprechend den Bedürfnissen der Arten ist die Lichteinwirkung optimal zu gestalten. Das richtige Zusammenwirken der Komponenten Licht, Temperatur und Feuchtigkeit ergibt die idealen Bedingungen zur bestmöglichen Ausbildung der Jahrestriebe und der Speicherung von Reservestoffen. In mehr oder weniger großem Umfang machen alle Orchideen eine Ruhezeit durch. Unsere einheimischen Arten – wie alle der gemäßigten Zone – überdauern die kalte Jahreszeit auf die einfachste Weise durch Einziehen ihrer oberirdischen Teile. Im sicheren Schutz der Erde ruhen die Knollen oder Rhizome viele Monate, bis bei günstigen Verhältnissen der neue Austrieb beginnt; manchmal werden Jahre übersprungen.

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