Standortsbedingungen

By | Mai 25, 2017

Die Pflanze zieht ihre Kräfte in plastischen Organen zusammen, wie z.B. die Orchidee in Pseudobulben, die verdickte Stengelorgane sind, oder fleischigen Blättern, wie Angraecum und Vanda teres.

Standortsbedingungen

Die erdbewohnenden Orchideen sind in noch weit höherem Maße als die Epiphyten von Umfang und Dichte der Gesamtvegetation abhängig. Dies trifft schon auf unsere einheimischen Orchideen zu, deren Standortsbedingungen jedoch unserem Studium leicht zugänglich sind. In subtropisch-tropischen Gebieten wachsen die wenigsten im dichtbeschatteten Untergrund der Wälder. Ihre Zahl nimmt unter lichtem Baumbestand zu und erhöht sich noch mehr in Savannen-Landschaften, die es z.B. in Afrika und Australien gibt. Ebenso finden wir in unserer Heimat viele Arten als Bewohner von Wiesen oder mit Gebüsch und lichtem Baumbestand durchsetzten Hängen. Die asiatischen Paphiopedilum gelten für uns allgemein als Erdbewohner. Sie sind es jedoch nur bedingt, da häufig oder ausschließlich Felsen besiedelt werden, während andere Arten mit Laubhumus durchsetzten Lehmboden bevorzugen und weniger kalkliebend sind. In Südafrika finden wir, etwa gleich den Arten an den Küsten der Ostsee, Orchideen in fast sterilem Sandboden wachsend. Die in Süd- und Mittelamerika verbreiteten Sobralia wachsen dagegen in periodisch trockenen Sümpfen in einer flächenmäßigen Massigkeit gleich unserem Schilf. Die Fähigkeit, auf Felsen oder an fast senkrechten Felswänden zu wachsen, haben auch Cattleya. So berichten Orchideenjäger, daß Cattleya per-civalliana in ihrer Heimat Venezuela fast ausschließlich diese Wuchsform zeigt; im Himalaja ist es Coelogyne cristata und in Ostaustralien Dendrobium speciosum.

Bei manchen Orchideen findet man noch die Übergänge von bodenbewohnender zu epiphytischer Lebensweise. Sie beginnen ihr Dasein im Erdboden, klettern an den Stämmen der Urwaldbäume empor, verlieren die Verbindung nach unten und leben epiphytisch weiter. Dies ist der Fall bei Vanilla, von welcher Gattung bestimmte Arten die als Vanilleschoten bekannten aromatischen Früchte liefern. Auch Vanda teres und andere monopodial wachsende Orchideen entwickeln sich so. Ausgesprochene Epiphyten sind in hohem Maße abhängig von der Dichte und dem Umfang der Gesamtvegetation, die wesentlich als Regler des Lichtgenusses für Epiphyten gilt. Dabei ist es natürlich von Bedeutung, in welcher Höhe der Bäume die Pflanzen wachsen; denn nach oben nimmt die Stärke des Lichtes zu. Phalaenopsis lieben den Schatten; ihre weichfleischigen, breitflächigen Blätter vertragen keine starke Sonneneinwirkung. Man findet sie in ihrer Heimat bevorzugt an den unteren Partien der Baumstämme immerfeuchter Niederungswälder. Das Gegenstück hierzu sind Vanda-Arten in Hinterindien. Ihre oftmals nur rinnig-gefurchten oder fast stielrunden Blätter vertragen stärkste Lichteinwirkung. Sie sind ihrer Form gemäß auf Oberlicht eingestellt und finden dies auf den von ihnen besiedelten knorrigen Eichen mit lichter Belaubung. Innerhalb dieser beiden genannten Gegensätze wachsen die epiphytisch lebenden Orchideen von sehr unterschiedlicher Größe und Gestalt. Oft leben sie vergesellschaftet mit der Fülle anderer Epiphyten, wie Bromeliaceen, Araceen, Peperomien, Farnen u.a., welche gleichen Lebensbedingungen unterworfen sind. Durch enge Verflechtung ihrer Wurzeln bilden sie oft ein einheitliches Ganzes und werden zu Horsten von beträchtlichem Umfang, wie es oft, besonders auch bei kleinwüchsigen Arten der Fall ist. Diese Feststellung ist ein Hinweis auf die Pflege solcher Arten. Sie sollten möglichst jahrelang ungeteilt bleiben. Dann können sie sich bei sonstigen zusagenden Bedingungen zu schönen Stücken entwickeln. Als Beispiel sei die Gattung Pleurothallis genannt.

Nach Berichten von Orchideensammlern bevorzugen manche Arten bestimmte Bäume. Inwieweit eine Bindung oder Abhängigkeit hierbei besteht, ist noch ungeklärt. Wahrscheinlich ist die Annahme, daß bestimmte Eigenschaften der Baumart – wie Struktur der Rinde oder Dichte der Belaubung, eventuell auch mögliche Ausscheidungen derselben – bestimmend für eine bevorzugte Besiedelung sind.

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