Geleitwort Orchideen Teil 1

By | Mai 15, 2017

Es hat sich im Grunde am Interesse an den Orchideen nichts geändert seit jener Zeit, als die ersten tropischen Orchideen durch die mögliche Gewächshauskultur zu uns nach Europa gelangten und bei uns fortlebten und weiterblühten. Mit ihnen holte sich der Mensch einen Teil jener damals nur vom Hörensagen bekannten, aber doch ersehnten, fernen und unzugänglichen Welt der Tropen zunächst ins eigene Glashaus, später ins Heim. Und so ist es geblieben bis heute. Noch immer haftet den Orchideen der Nimbus des Exotischen an, und nach wie vor bringen sie uns als Repräsentanten tropischer Vegetation einen Hauch jener Atmosphäre nahe. Gegenüber den Anfängen der Orchideenkultur, als sich nur sehr Begüterte die heute so viel gepriesenen „Orchideen im eigenen Heim“ leisten konnten, entstand zum Vorteil vieler eine neue Situation, und es bedarf schon längst nicht mehr der exklusiven finanziellen Mittel, um jene Gewächse der Tropen selbst kultivieren und bei sich zum Blühen bringen Zu können. Im Kleingewächshaus, in der Zimmervitrine, ja sogar auf der Fensterbank gedeihen sie heute nach an Teil nur geringen Investitionen.

Schon frühzeitig trat neben die lebende Pflanze das Orchideenbuch, teils als Ersatz für die nicht zu beschaffende Pflanze, teils als notwendiges Requisit und Träger erwünschter Dokumentation. Die Prachtbände im Folio- und noch größeren Format – mit einem Gewicht bis 12 kg! – legen ein beredtes Zeugnis ab vom Staunen jener Zeit über diese wunderlichen Gewächse, die mit einem heute kaum mehr vorstellbaren Einfühlungsvermögen und mit Liebe gezeichnet und gemalt, klischiert und gedruckt, dabei aber doch sachlich und getreu bis ins Detail registriert wurden. Nur ganz wenige Orte existieren heute noch, wo der Orchideen – Bibliophile im privat-persönlichen Raum sich ungestört in die erste Hälfte des vorigen Jahrhunderts zurückversetzen kann. Wer einmal Gelegenheit hatte, in Muße, etwa in der berühmten Privatbibliothek des Schweizers Pfenninger stöbern ZU dürfen, dem wird es dabei möglich sein, noch etwas vom Geist und Gefühl jener Zeit verspüren, als die Orchideen mit einer Art nach der anderen sich erstmals dem Auge des Gärtners und dann dem des Künstlers darboten.

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