Orchideen Catasetum fimbriatum

By | Mai 20, 2017

Orchideen Catasetum fimbriatum

Die Gattung Catasetum ist charakterisiert durch das Auftreten dreier verschiedener Blütenypen, die nicht nur gestaltlich, sondern auch funktionell differenziert sind. Da die zwittrigen, weiblichen und männlichen Blüten nur selten im gleichen Zeitraum an einer Pflanze Zur Entwicklung gelangen, wurden sie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in Verkennung der Zusammenhänge drei unterschiedlichen Gattungen zugeordnet, die man mit den Namen Myanthus (zwittrig), Monachanthus (weiblich) und Catasetum (männlich) belegte. Dieser Irrtum konnte erst endgültig geklärt werden, nachdem R. Schomburgk in Guayana alle drei Blütentypen zusammen auf einer Pflanze vorfand. Damit wurden zwei Gattungsbezeichnungen hinfällig; der zuerst geprägte Name Catasetum blieb erhalten.

Die nebenstehende Abbildung zeigt das in Brasilien verbreitete Catasetum fimbriatum im Catasetum-Stadium. Wenn wir eine männliche Einzelblüte etwas genauer betrachten, so fallen uns in ihrem Zentralen Bereich zwei fadenförmige, abwärts gerichtete Fortsätze auf. Bei Berührung dieser „Antennen“ wird explosionsartig das Pollenaggregat herausgeschleudert, das mittels einer Klebscheibe dem Insekt angeheftet wird. Als Bestäuber wurden bisher stets nur Prachtbienenmännchen beobachtet. Die Orchideenblüte bewirtet die Euglossinenmännchen aber nicht, wie allgemein üblich, mit Nektar, sondern mit einem Duftsekret, das vom Drüsengewebe des Labeilums erzeugt und abgeschieden wird. Dieses begehrenswerte Naß wird von den Insekten mit den Endgliedern der Vorderbeine emsig gesammelt und in den stark erweiterten Unterschenkeln der Hinterextremitäten verstaut. Der Mainzer Blütenökologe Prof. Dr. St. Vogel, auf den diese Beobachtungen zurückgehen, mutmaßt, daß die Männchen das Pflanzenparfüm zum Markieren ihres Balz-Territoriums, also zur Anlockung der Euglossinenweibchen verwenden.

Alles in allem also eine hochinteressante Sippe, diese Catasetiden, die bereits Ch. Darwin im Hinblick auf ihren seltsamen Schleudermechanismus „als die merkwürdigsten aller Orchideen“ bezeichnet.

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