Orchideen Illustrationen – 15 Jahrhundert

By | Juni 10, 2017

Aus: „Ortus (Hortus) sanitatis“. Mainz 1491.

Der noch aus der Zeit der Wiegendrucke stammende „Hortus sanitatis“ ist neben dem „Herbarius“ (1484) und dem „Gart der Gesundheit“ (1485) eines der ältesten in Deutschland erschienenen arzneikundlichen Werke. Während der deutschsprachige sog. „Kleine Gart“ von 1485 insgesamt 382 Pflanzen enthält, werden im „Hortus sanitatis“, dem „Großen Gart“, bereits 530 Pflanzen sowie 392 Tiere und 144 Mineralien beschrieben.

Wer ein wenig in den vergilbten Blättern stöbert, wird allerdings feststellen, daß besonders bei den Tierdarstellungen der Phantasie breiter Raum gelassen wurde. Fabelwesen aller Art, wie Drachen, Nixen, Seeungeheuer, geflügelte Pferde u.a., fanden darin Platz- So nimmt es nicht wunder, daß auch bei unserer Orchideendarstellung, der einzigen in diesem Werk, von einer naturgetreuen Wiedergabe kaum die Rede sein kann. Lediglich die Wurzeln erinnern an Orchideenknollen.

Diese wurden übrigens – besonders in den Kräuterbüchern des folgenden Jahrhunderts – vielfach als Aphrodisiakum angepriesen. So bereitete man aus ihnen unter mancherlei Zusätzen wie Ziegenmilch, Spatzen- und Taubenhirn, Hirschbrunst*, Muskat, Pfeffer, Salz u. a. Gewürzen Liebestränke und Latwergen (gewiß hätte sich schon zu jener Zeit ein Naturschutzgesetz gelohnt). Aber bereits bei Valentini 1719 heißt es: „Wann man aber die Sach beym Liecht besihet, sokombt die Würckung mehr von dem Gewürtz und ändern scharffen Sachen, so dar zu genommen werden, her, als von der Stendel- Wurtz“ (Orchis).
* Ein unter der Erde wachsender Schlauchpilz, auch Hirschtrüffel genannt (Elaphomyces).

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