Orchideen Leptotes bicolor

By | Mai 24, 2017

Orchideen Leptotes bicolor

Mit schier unerschöpflicher Phantasie bei der Wahl ihres Gewandes erfreut die Orchideenblüte unser Auge; verborgen bleibt ihm jedoch, was diese königliche Pflanzensippe an Schönheit auch im Bereich des Mikrokosmos für uns bereithält. Ähnlich wie die Blüten versuchen auch die Sämchen, von denen zigtausende auf ein Gramm gehen, sich gegenseitig mit allerlei abenteuerlichen, bizarren oder gefälligen Formen und vielfältigen Farbnuancierungen zu überbieten. Auf der Abbildung des Anhangs finden wir aus der Vielzahl der Orchideensamen – von dem Wiener Stadtrat J. G. Beer in liebevoller Mühe dem mikroskopischen Bild nachgezeichnet – auch den unserer in Brasilien und Paraguay vorkommenden Leptotes bicolor heraus.

Der winzige, undifferenzierte Embryo, den wir in der Mitte jedes Samenkorns entdecken, hat bei den Orchideen keinerlei Nährgewebe als Mitgift erhalten. Diese scheinbar stiefmütterliche Behandlung hat ihren Grund; denn oberstes Gebot ist: Leichtigkeit der Samen! So haben sie sich auch ein luftiges, leichtes Mäntelchen als Reiseausstattung zugelegt, das mit besonderer Sorgfalt aus dem Gewebe der Samenschale hergerichtet wurde. Mit seiner Hilfe werden die staubfeinen Samen selbst bei schwacher Luftbewegung schwebend über weite Strecken hinweggetragen oder scheinbar schwerelos luftigen Höhen emporgehoben, was für die Epiphyten von besonderer Bedeutung ist. Doch nur wenige der tausendfach erzeugten Samen gelangen zur Keimung, die erst dann möglich wird, wenn ein solches Sämchen auf Hyphen gewisser Pilzarten trifft. Diese fungieren gewissermaßen als Geburtshelfer und Ammen zugleich, indem sie keimungsstimulierende Substanzen liefern und den jungen Keimling mit Wasser und organischen Nährstoffen versorgen.

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