Orchideen Paphiopedilum Callosum

By | Mai 16, 2017

Orchideen Paphiopedilum Callosum

Es wurde bereits berichtet, daß die Orchideenblüte in gleicher Weise wie Tulpe, Märzenbecher und Krokus eine sechszählige Blütenhülle aufweist. Bei den Venus- und Frauenschuh-Arten entdecken wir aber stets nur 5 Blütenblätter. Die zahlenmäßige Verringerung beruht auf der Verwachsung zweier Sepala (äußere Blütenhüllblätter) zu einem einheitlichen Blattorgan (Synsepalum), das in unserer Abbildung von Paphiopedilum callosum direkt hinter dem Labellum liegt und deshalb unseren Augen verborgen bleibt.

Der auffälligste Abschnitt der Blüte ist die Lippe, die einem zierlichen Schuh oder Pantoffel ähnlich sieht (Paphia ist ein Beiname der Venus, pedilon griech. bedeutet Schuh, Venusschuh). Innerhalb dieses Verwandtschaftskreises stellt das Labellum aber nicht nur ein exponiertes Schauorgan dar, sondern es fungiert auch gleichzeitig als Insektenfalle. Der geflügelte Blütenbesucher gelangt zwar ohne Schwierigkeiten in den „Schuh“, vermag dann aber nicht mehr seine überhöhten Wände zu erklimmen. Das Ausgang begehrende Insekt krabbelt nun nach einigem Hin und Her auf der „Sohle des Schuhs“ aufwärts bis in die „Fersen-Gegend“ und kann durch zwei äußerst kleine Öffnungen den Kerker verlassen. Diese Löchlein sind flankiert von je einem Staubblatt (die Cypripedioideae besitzen noch 2 Staubblätter!) und von Abschnitten der Narbe, so daß sich das Insekt beim Hindurchzwängen unweigerlich mit Pollen beschmiert, den es bei einer der nächsten Blüten auf der Narbe ablädt. Für diese äußerst sinnige und hoch spezialisierte Bestäubungseinrichtung gibt es eine interessante Fachbezeichnung: Kesselfallenblume.

Wenn auch weiter oben die Rede von einer nur fünf blättrigen Cypripedioideen-Blütenhülle war, so bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel: bei dem pazifisch-nordamerikanisch verbreiteten Cypripedium arietinum sind die beiden seitlichen Sepalen nicht zu einem Synsepalum verwachsen.

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