Orchideen Stanhopea tigrina

By | Mai 25, 2017

Orchideen Stanhopea tigrina

Wer vermag wohl auf den ersten Blick den Wirrwarr der Blütenteile zu enträtseln, den uns diese abenteuerlich gestaltete Orchidee anbietet? In der Natur, wo man diese phantastischen Gebilde von allen Seiten betrachten kann, mag das noch angehen; durch die Übertragung ins Zweidimensionale wird jedoch das Wiederfinden der uns inzwischen vertrauten Grundelemente der Orchideenblüte noch erschwert.

So meint man zunächst bei der rechten, in Rückansicht sich vorstellenden Blüte von einem Tierschädel, einer Maske, angestarrt zu werden – in der Tat haftet unserer Stanhopea in Gestalt und Färbung etwas Dämonisches an. Das Tierhafte dieser Orchidee, die von allen 50 Stanhopea-Arten mit den größten Blüten aufwarten kann (15-20 cm), klingt auch in dem Artnamen tigrina an. Die zurückgeschlagenen inneren und äußeren Blütenhüllblätter sind von attraktiver rotbrauner „ Tigerung“; auffällig breiter heben sich von ihnen die schief -gerundeten seitlichen Sepalen ab.

Die violett punktierte, fleischige, wachsartige Lippe ist von kompliziertem Bau. Ihr basaler Teil – hier im Bilde ohne Tüpfelung – ist das sog. Hypochil. Es ist sackartig erweitert, d.h. zu einer breit-halbkugeligen, vorn sich öffnenden Höhle umgestaltet, deren innen gelegenem Drüsengewebe ein fast unerträglich starker, betäubender Vanilleduft entströmt. Die mittlere Lippenregion (Mesochil) trägt zwei sichelförmig nach vorn gekrümmte Hörner, die unserer Art in Mexiko die Bezeichnung „toritos“, d.h. Stierchen, eingetragen haben.

Unter dem breiten, scharf dreizähnigen Endabschnitt des Labeilums, dem Epichil, lugt das Säulchenende hervor. Ansonsten wird das oberhalb der „Höhle“ entspringende, weit nach vorn-abwärts gebogene, blütenblattähnlich ausgebildete Säulchen bei der rechten Blüte vom Epichil, bei der linken von einem der Hörner verdeckt. So kurios auch der Blütenbau von Stanhopea erscheinen mag, noch merkwürdiger muten ihre Bestäubungsverhältnisse an. Von betäubenden Substanzen der Hypochilhöhlenwandung “trunken” gemacht, gleitet das Insekt hilflos auf der glatten Innenseite der Lippe wie auf einer Rutschbahn herab. Beim Hindurchfällen durch die “ Trichtermündung” – gebildet aus Säule, Hörnern und Epichil – streift das Insekt Narbe und Staubbeutel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.